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Die Koffer sind gepackt und ich
Stehe am Gleis und sehe dich
Wie du in diesen Zug einsteigst
Dabei den Kopf gen Himmel neigst

In ferne Länder wirst du geh’n
Doch willst du mich bald wieder seh’n
Das sagst du, als der Zug abfährt
Und mir alsbald den Rücken kehrt

Dann sucht‘ auch ich mir meinen Zug
Der mich in fremde Städte trug
Ich hörte dann und wann von dir
Mal warst du dort, mal warst du hier

Doch war’n wir nie am selben Ort
War ich bei dir, so warst du fort
Die Weichen wurden umgestellt
Und jeder fuhr in seine Welt

So kam es, dass wir uns vergaßen
In immer and’ren Zügen saßen
Denselben Bahnhof nie erreichten
Obwohl sich uns’re Ziele gleichten

Und als wir uns dann wieder sahen
Nach vielen, endlos langen Jahren
So waren wir nichts mehr als Fremde
Die zaghaft reichten sich die Hände

Die wieder and’re Wege gingen
Denn von den vielen, schönen Dingen
Die früher hatten sie verbunden
Da war nichts mehr, das war verschwunden.

Ich dachte erst, dass Züge nun
Bestimmen, was wir Menschen tun
Und dennoch gibt es mir zu denken
Sind wir es doch, die Züge lenken.

Ein Gedicht für einen kleinen Wettbewerb in einem Forum zum Thema „Freundschaft“.
Eigentlich fahre ich sehr gern mit dem Zug. Auch Bahnhöfe, zumindest die kleineren, haben immer eine sehr schöne Atmosphäre. Zwar sind sie Orte des Abschieds, aber auch gleichermaßen Orte des Wiedersehens. Wobei letzteres meiner Meinung nach überwiegt, sieht man den Menschen, den man zum Bahnhof bringt, doch in den meisten Fällen dort auch wieder.
Erst kürzlich habe ich wieder eine längere Zugreise unternommen. Dabei sind mir folgende Dinge im Kopf geblieben:
– Ein Kind, das mit seiner Oma in einem IC Karten gespielt hat. Die beiden waren die einzigen, die geredet haben.
– Die unglaubliche Stille in ICs, die nur durch die laute, kräftige Stimme des Schaffners, der die Fahrkarten sehen will, durchbrochen wird.
– Eine junge Frau, die sich augenscheinlich nicht getraut hat, durch die Wagons zu laufen und sich einen Sitzplatz zu suchen.
– Ein Mann, der unglaublich früh an der Tür steht, weil am Bahnhof seine Frau und sein Kind auf ihn warten.
– Ein Jugendlicher, der sich eine Zigarette hinters Ohr klemmt und zu einem jüngeren sagt, dass er in seinem Alter auch viel Mist gebaut hätte.
– Zwei junge Männer mit einer Bierkiste, wahrscheinlich Musiker, die sich über gerechten Stundenlohn, Studentenjobs und Alkoholtest unterhalten.
– Ein kleiner Junge, der mit seinem Koffer den Zug auf und ab läuft, scheinbar ohne ein Ziel zu haben.
Wahrscheinlich würden mir noch mehr Dinge einfallen, wie vielleicht der gelangweilte Kuss des Pärchens, bevor der Junge in den Zug stieg, oder die Männer, die die ganze Fahrt über mit ihren Handys beschäftigt waren. Aber das sind die Erinnerungen, die mir am meisten im Kopf geblieben sind. Allein wegen solchen Beobachtungen finde ich das Zugfahren sehr interessant.
Aber das schönste am Zugfahren ist immer noch das Ende der Reise, denn dieses ist immer gleichzeitig der Anfang einer neuen.

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